Fast so lange wie ich Modellflug betreibe, hatte ich den Wunsch, einmal einen Fieseler Storch zu bauen und zu fliegen. Im März 2025 begann ich, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.
Vorgeschichte
Im März 2025 beim Anfliegen unseres Vereins kam ein älterer Herr mit einem Kombi zu unserem Platz, dessen Kofferraum angefüllt mit fast rohbaufertigen Modellen in Holzbauweise war. Darunter unter anderem ein Rumpf des Fieseler Storch von SVENSON M1:6 (Spannweite 234 cm) und ein unvollständiger Baukasten mit vielen Holzteilen und Fahrwerkskomponenten. Das Modell war anscheinend schon mal mit einem Verbrenner geflogen und Opfer eines Absturzes geworden. Die Tragflächen fehlten (die meisten Teile, aber keine Rippen, im Kasten vorhanden) und auch die Cockpitverscheibung sowie die Rahmenteile für die Frontpartie des Cockpits. Der Rumpf war mit Papier bespannt und wie bei den meisten Storch-Modellen in Tarnfarben lackiert.
Da mir der Military-Look nicht zusagte, habe ich erst einmal die komplette Bespannung entfernt und nach einer anderen Lackierung gesucht. Das passende Design fand ich in einem Bericht im Modellflugforum des Lohburger Modellflug Sport-Club. „Dr. Düsentrieb“ stellte dort einen Storch mit Sonderlackierung aus den 50er Jahren mit der Werbeaufschrift Trumpf vor. Die dort gezeigten Bilder habe ich grafisch aufbereitet und als Basis für mein Modell genommen.
Der "Umbau“
Die fehlenden Rahmenteile für das Cockpit wurden aus 2 mm Sperrholz angefertigt und mit dem vorhandenen "Restrumpf" verklebt. Die Scheiben habe ich aus 1 mm PETg angefertigt und mit Epoxidharz eingeklebt. Eine nervenaufreibende Arbeit!
Die fehlenden Tragflügelrippen wurden aus 2 mm Balsa wie üblich im Paket hergestellt und die Tragflächen wie gewohnt auf dem Plan gebaut. Die Befestigung der (nicht angelenkten) Vorflügel mit den beigefügten Alu-Teilen erschien mir allerdings nicht alltagstauglich und so wurden diese durch Teile aus 2 mm GFK ersetzt, die in Bohrungen in Nasenleiste und Vorflügel eingeharzt wurden. Als Tragflächenstreben waren profilierte Messingrohre vorgesehen, die ich aber durch entsprechende auf Profil geschliffene Kiefernleisten ersetzt habe. Leider fiel mir erst beim Zusammenbau, dass die nach Plan gefertigten V-Streben ein paar mm zu kurz waren und so die Tragflächen eine leicht negative V-Form zeigten. Ich hatte jedoch keine Lust, dies novh vor dem Jungfernflug zu korrigieren, werde dies aber noch nachholen (bei den ersten Flügen zeigte sich allerdings keine negative Auswirkung).
Bespannt wurde das ganze Modell mit silberner Oratex Gewebefolie. Die Holz- und Metallteile wurden mit silberner Hammerite Farbe lackiert, was zu einer Oberfläche "im Gebrauchszustand" führt.
Schriftzüge und Nationalitätskennzeichen habe ich in der Größe angepasst und auf Papier ausgedruckt. Dies habe ich dann mit einem Pritt-Stift auf die Bespannfolie aufgeklebt und in mühevoller Kleinarbeit mit Cuttermesser bzw Schere ausgeschnitten. Das so entstandene Sandwich wurde auf das Oratex-Gewebe aufgebügelt und das Papier unter Wärme (Bügeleisen) abgezogen. Kleberreste ließen sich leicht mit einem feuchten Schwamm entfernen. Diese Methode funktioniert erstaunlich gut und (auf dem Gewebe) blasenfrei.
Motorisierung
Als Antrieb kommt statt des empfohlenen 10 ccm Methanolers ein Elektroantrieb mit Joker J5060-7 V3 und Luftschraube 16x10, Regler robbe RO-control 8-120 V2 3-8S mit BEC und ein 5000mAH 6s1 von Hacker zum Einsatz. Bei einem Startgewicht von 6,8 kg sind die ca 5,5 kp Standschub mehr als ausreichend für einen vorbildgetreuen Flug.
Das Modell ist mit seinen 234 cm Spannweite schon recht ansehnlich, zwar nicht scale, aber doch sehr vorbildähnlich. Und wie einer meiner Freunde immer sagt „aus 3 m Entfernung sieht das keiner mehr“.
Der Jungfernflug fand am 07. März 2026 bei optimalem Flugwetter statt. Der Storch rollte problemlos an und war nach wenigen Metern Rollstrecke in der Luft. Nach geringfügigem Nachtrimmen ließ sich der Vogel gemütlich fliegen und auch landen. Die Maschine lässt sich voll entspannt fliegen und ist im Flug ein echter Hingucker.
Bei den ersten Flügen habe ich die Klappen noch nicht benutzt. Ein paar kleinere Korrekturen am Modell sind noch vorgesehen (Bleizugabe, V-Streben, Verlegung der Servokabel), aber auch ohne diese macht das Fliegen mit dem Storch schon viel Spaß.
Danke auch an meinen Vereinskameraden Andreas für seine Fotos und den Film vom Jungfernflug.
Motorflug, Segelflug, Chillen -
Entspanntes Modelfliegen im westlichen Münsterland